Schuldenfreies Haus durch Inflation

Bemerkenswerter Weise müssen sich Regierungen das Geld, das sie für die Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen, in immer größerem Umfang von privaten Banken, Versicherungen und anderen „Anlegern“ leihen. Wann immer von „Neuverschuldung“ oder einer „Schwarzen Null“ zu hören oder zu lesen ist, bedeutet das nichts anderes, als dass die Verschuldung weiter ansteigt oder aber im besten Fall auf hohem Niveau stagniert. Von Schuldabbau, also Rückzahlung entstandener Schulden, ist selten bis nie die Rede.

Auf die teils erheblichen Schulden fallen Zinsen an. Je höher der Zinssatz, desto mehr Zinsen. Nicht wenige Länder sind inzwischen selbst zur Zahlung der Zinsen nicht mehr in der Lage, weshalb auch dafür neue Schulden gemacht werden.

Jedem Schulkind, jeder Hausfrau erschließt sich, dass dies auf Dauer nicht funktioniert. Und ganz sicher weiß das auch der eine oder andere Politiker.

An einer Entschuldung des Staates geht über kurz oder lang kein Weg vorbei. Hierfür bieten sich verschiedene Wege an:

1. Der Schuldenschnitt
Hierfür erklärt der Staat gegenüber seinen Gläubigern die Zahlungsunfähigkeit und sich gleichzeitig dazu bereit, lediglich einen Teil seiner Schulden zurück zu zahlen.  Ansonsten drohte ihnen im Falle eines Staatsbankrotts der Verlust ihres gesamten Geldes. Seine Gläubiger, in der Regel Banken und andere Geldanleger, bleiben auf einem Teil ihrer Forderungen gegen den Staat sitzen und verlieren dadurch viel Geld.
Deren Begeisterung dürfte sich in Grenzen halten.

2. Steuererhöhungen
Auch  diese Variante der Staatsentschuldung kann sich nicht allzu vieler Anhänger erfreuen.
Da Steuerzahler auch Wähler sind, macht die Politik hiervon nur zu Beginn einer Legislaturperiode Gebrauch. Dann allerdings um so schamloser, wie die Mehrwertsteuererhöhung der großen Koalition bewies.

3. Währungsreform
Sind die Staatsfinanzen allzu sehr aus dem Lot geraten, greifen die Verantwortlichen gern auch mal zu diesem Mittel. Damit sich die Aufregung beim Wähler und Bürge(n)r in Grenzen hält, gibt man dem Kind mitunter auch wohlklingendere Namen: „Einführung des Euro“ ist so ein Beispiel.

4. Krieg
Kaum etwas lässt Probleme in der Staatsfinanzierung so perfekt vergessen wie Krieg.
Die Rüstungsindustrie boomt, die notwendig Infrastruktur will ausgebaut, das Volk ausgerüstet werden.
Die Steuern sprudeln aus allen Rohren!
Eroberte Territorien werden ausgebeutet, Bodenschätze und Infrastruktur werden dem Staatshaushalt zugeführt.
Zerstörtes will wieder aufgebaut werden, Arbeit so weit das Auge reicht.
Schulden haben Kriegsgewinner vorerst nicht.

5. Inflation
Diese Variante der Staatsentschuldung ist die wohl populärste und dennoch ähnlich effektiv wir die zuvor genannten.
Ihr ist dieser Beitrag gewidmet.
In einem ersten Schritt wird durch immer mehr „neues“ Geld der Wert des bereits vorhandenen Geldes gesenkt. Der Volksmund spricht hier vom „Gelddrucken“.
Ein sinkender Geldwert führt früher oder später zu steigenden Preisen. Welcher Händler ist auf  Dauer bereit, seine Ware für die gleiche Summe Geld zu verkaufen, wenn das Geld im Überfluss vorhanden und deshalb weniger wert ist?
In Folge steigender Preise müssen die Löhne steigen. Welcher Arbeiter ist auf Dauer bereit, für die gleiche Summe Geld zu arbeiten, wenn er dafür nach und nach immer Weniger kaufen kann?
Steigende Löhne führen zu steigenden Steuereinnahmen des Staates. Schließlich ist die Einkommenssteuer an den nominalen Lohn gebunden! Sinkender Geldwert, steigende Preise, steigende Löhne, steigende Steuereinnahmen.
Der Staat kann sich entschulden.
Wenig Begeisterung ruft dies bei den Besitzern großer Geldvermögen und beim Sparer aus.
Das Ersparte wird immer weniger wert und schmilzt wie Butter in der Sonne.

Dies ruft die ganz Schlauen und die Verkäufer auf den Plan: Inflationsschutz durch Immobilienerwerb!

Der einfach und genial anmutende Plan besteht darin, sich mit werthaltigem Geld bei Banken zu verschulden, um Häuser zu kaufen und diese Schulden später mit wertlosem Geld zu begleichen.

Was dabei übersehen wird, sind im Wesentlichen drei Dinge:

1. Eine Inflation ist kein Naturereignis. Ob und wann diese entsteht, hängt von menschlichen Entscheidungen ab. So kämpft beispielsweise Japan seit rund zwanzig Jahren gegen die Deflation seiner Währung an, bislang ohne Erfolg! Somit nahm der Wert des Geldes im japanischen Binnenmarkt permanent zu und nicht ab! In Folge dessen fielen die Preise von Immobilien und anderen Sachwerten. Deren Eigentümer wurden und werden permanent enteignet, während die Besitzer von Geldvermögen immer reicher werden! Nochmals sei gesagt: dies geht jetzt bereits über eine komplette Generation hinweg so! Und auch in Europa mehren sich die Anzeichen für eine vergleichbare Entwicklung!

2. Wenn es gelingt, die oben beschriebene Inflation zu erzeugen, dann ist dies ein Prozess, der nicht zwangsläufig in einer „galoppierenden“ oder „Hyperinflation“ endet. Wie lange dieser Prozeß sich hinzieht und mit welchem Ergebnis, ist keineswegs sicher! Sicher ist hingegen, dass jeder Schuldner sich in diesem Prozeß als Spielball wiederfindet. Es ist geradezu naiv anzunehmen, dass die Gläubigerbanken einer Inflation tatenlos zusehen.
Verträge, deren Zinsbindungen auslaufen, werden gekündigt bzw. zu deutlich höheren Zinsen fortgeführt. Laufende Verträge werden in Übereinstimmung mit dem Kleingedruckten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) an andere Gläubiger verkauft und von diesen fällig gestellt.
Der „Werkzeugkasten“ einer Bank ist groß!

3. Selbst wenn der Idealfall eintritt, den der Käufer einer Immobilie sich erhofft hat, er seinen Kredit also mit wertlosem Geld zurückzahlen kann, holt ihn das eigentliche Ziel einer Inflation, nämlich die Entschuldung des Staates, ein.
Dieser wird, und auch in der jüngeren deutschen Geschichte gibt es dafür Beweise, am entstandenen „Vermögenszuwachs“ des Hausbesitzers partizipieren wollen und müssen. Immerhin stellt eine Hyperinflation eine gesamtgesellschaftliche Katastrophe ersten Grades dar!
Da ist es nur recht und billig, die untergegangenen Renten- und anderen Sozialkassen mit frischem, mit neuem Geld aufzufüllen!
Zwangshypotheken sorgen für den gesellschaftlich dringend gebotenen Ausgleich zwischen Inflationsgewinnern und -verlierern.
Und eine Immobilie ist und bleibt IMMOBIL!
Ein Schelm, wer angesichts der derzeitigen Hysterie am Immobilienmarkt den Blick nach vorn richtet und in jedem Käufer von heute die sichere staatliche Geldquelle von Morgen sieht.

Zusammenfassung: Geldinflation ist innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung gewünscht und eine Triebfeder von Wachstum. Hyperinflation, also eine sich verselbständigende Inflation, ist eine gesellschaftliche Katastrophe, aus der lediglich der überschuldete Staat und wenige mit ihm Verbündete als Gewinner hervorgehen.

Der Durchschnittsbürger und Hypothekenschuldner wird durch eine ungeordnete Inflation Schaden an seinem Vermögen nehmen, während der Staat sich entschuldet.

Immobilienkauf als Teil einer Inflationsspekulation ist und bleibt eine Spekulation.

Nicht selten steht dabei das gesamte Vermögen auf „Rot“.

Was aber, wenn „Schwarz“ gewinnt?